Helvetia kommt!

Wenn die Vergangenheit mit im Bett liegt – eine Folge über Trauma, Liebe und den Weg zur eigenen Sexualität

Episode Notes

Triggerwarnung: Dieser Text und die dazugehörige Podcastfolge handeln von sexualisierter Gewalt und Trauma.

Vanessa ist verheiratet. Sie lebt in einer liebevollen Beziehung, sie liebt und wird geliebt. Sie hat einen Mann an ihrer Seite, mit dem sie sich eine gemeinsame Sexualität wünscht und mit dem sie bereits vieles an Vertrauen aufgebaut hat. Dass sie überhaupt wieder so weit gehen konnte, ist alles andere als selbstverständlich. Denn Vanessa hat in ihrem Leben nicht einfach eine Gewalterfahrung gemacht, sondern viele. Massive, erschütternde und kaum vorstellbare Erfahrungen, die tiefe Spuren hinterlassen haben.

Und genau diese Vergangenheit liegt nicht einfach hinter ihr. Sie ist bis heute da. Manchmal leise und kaum greifbar. Manchmal mit voller Wucht. Manchmal schiebt sie sich fein zwischen Vanessa und ihren Mann, manchmal brutal, laut und unmissverständlich. Gerade dann, wenn eigentlich Nähe, Zärtlichkeit oder Lust entstehen könnten.

Im Gespräch mit Dania Schiftan erzählt Vanessa offen, wie tief diese Gewalterfahrungen ihre Beziehung zu ihrem Körper, zu Vertrauen und zu Sexualität geprägt haben. Und gleichzeitig wird in dieser Folge etwas anderes ebenso deutlich: wie beeindruckend ihr Weg ist. Wie viel Kraft es braucht, sich trotz allem wieder auf Bindung einzulassen. Wieder zu lieben. Sich berühren zu lassen. Sich überhaupt vorzustellen, dass Sexualität nicht nur Angst, Überforderung oder Kontrollverlust bedeuten muss.

Vanessa beschreibt den enormen inneren Zwiespalt, in dem sie sich bewegt. Da ist auf der einen Seite ihre Ehe, die ihr Halt, Liebe und eine wichtige Ressource bietet. Und auf der anderen Seite ist genau diese Nähe immer wieder auch eine Herausforderung. Der Wunsch nach Verbindung ist da und gleichzeitig reagiert ihr Körper mit Widerstand, Alarm und Schutz. Es ist ein ständiges Ringen zwischen Gegenwart und Vergangenheit, zwischen Sehnsucht und Überleben.

Diese Folge  macht hörbar, wie zerstörerisch Gewalt nachwirken kann – auch Jahre später, auch in einer sicheren Beziehung. Und sie zeigt zugleich, dass Vanessa ihre Geschichte nicht nur für sich teilt. Sie spricht auch, weil es ihr ein Anliegen ist, anderen Mut zu machen. Weil sie sichtbar machen möchte, dass es ein Leben nach solchen Erfahrungen gibt. Kein einfaches, kein gradliniges, aber ein mögliches.
Bevor du reinhörst: Spür in dich hinein, ob du heute bereit dafür bist. Und mach jederzeit Pause, wenn es zu viel wird.